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Meine Reisebericht von:

 

Naalafushi / Juni 2009

Wenn ich an diese 10 Tage auf Naalafushi zurück denke blutet mir das Herz. Eigentlich hatte ich mich auf ein Wiedersehen sehr gefreut.

Ich habe wohl schöne Sachen erlebt und gesehen, aber es hatte viele Dinge die mir Bauchschmerzen verursachten.

Schön war das Wiedersehen mit meiner Maledivenfamilie. Und doch, sie hatte sich extrem verändert. Vielleicht war es der bevorstehende Umzug auf ihre ursprüngliche Insel der sie nachdenklich machte. Vilufushi im Thaa-Atoll würde anders sein als früher. Oder aber die Ungewissheit, was sie auf der neu gestalteten Insel erwarten würde? Vielleicht war es auch einfach der Abschied von Naalafushi, wo sie alle die letzten Jahre eine Heimat gefunden hatten. Irgend etwas hat dazu beigetragen, dass auch die Stimmung diese 10 Tage ganz komisch war. Vielleicht habe ich das Ganze auch nur so empfunden, weil mir die traurigen Nachrichten über Gohan
(->Eriyadu 2009) tief in den Knochen sassen.

Die vielen Katzenfutterdosen von Gohan hatte ich alle für die Inselkatzen von Naalafushi im Gepäck. Das war natürlich eine ganz besondere Delikatesse für diese Rasselbande. Das Problem das daraus aber entstand, war die Entsorgung der Metallbüchsen. Die fliegen auf den selben Müllhaufen wie die Organischen, aber auch Plastik Abfälle. Und das Ganze dümpelt dann hinter einer Steinmauer am „Strand“. Wenn ich die Bilder von Naalafushi 2008 und diesem Jahr vergleiche, macht es mich traurig. Weshalb kann man auf dieser Insel nicht eine angemessene Lösung für die Abfallbeseitigung finden. Es ist nämlich auf den meisten einheimischen Inseln möglich. In 50 Meter Entfernung sieht man das Touristen-Resort mit seinen weissen, gepflegten Stränden. Zwei so unterschiedliche Welten so nah zusammen. Im Moment wird auf der hinteren Seite von Naalafushi eine grosse rechteckige Mauer gebaut. So verbreitern sie die Insel. Der entstandene Platz wird dann mit Müll aufgefüllt und gedeckt. Ist das die richtige Lösung. Für die Inselbewohner ja, aber...?!

Es müsste doch machbar sein diese einheimische Insel aufzuräumen. Naalafushi wird von Touristen, die einen Ausflug gebucht haben besucht. Sicher, sie schauen sich nur die Strassen rund um den Touristen-Shop an, und die Strassen sind ausnahmslos sehr gepflegt, aber beim genauen hinschauen sieht man den Rest in der Umgebung doch.

Bei einem Besuch auf der einheimischen Nachbarinsel „Muli“ war ich sehr erstaunt. Diese Insel ist sehr gepflegt und sauber. Nichts liegt einfach so herum. Es stehen Abfalleimer an der Strasse. Also ist das doch der Beweis, dass ich auf Naalafushi die Ausnahme gesehen habe.

Ich liebe die Malediven mit ihrer Fauna und Flora von ganzem Herzen. Aber ich kann und will einfach nicht verstehen warum man diesen Leuten (vor allem dem Jugendlichen) nicht aufzeigen kann, in was für einer wunderschönen Welt sie eigentlich leben. Eine bedrohte Welt, zu der man umso mehr Sorge tragen muss. Sicher, sie haben nicht viel zu tun. Einige Jungs spielen Fussball und die Girls schlendern über die Insel. Ein Handy hat natürlich jedes Kind sobald es lesen kann. Aber sonst fehlt es leider an Beschäftigung und daher gib es die Situation wie ich sie gesehen habe und auch dementsprechend geschockt war.



Es geht um eine Lumme. Ich habe, (es klingt vielleicht doof) dem Vogel auf Naalafushi ein Versprechen gegeben.  Ich konnte und durfte ihn leider nicht befreien, aber ich kann zumindest dafür Sorgen dass man auf ihn aufmerksam wird. Er war auf einem Korallen-und Müllhaufen mit Gummiseilen angebunden. Auf meine Frage was das soll, bekam ich nur Schulterzucken als Antwort. Das ist halt so, die Jugendlichen wissen während den Ferien nicht was machen mit ihrer Zeit. Und so ein grosser Vogel ist eine Abwechslung und er ist ETWAS, das sonst niemand besitzt. Also fing man ihn ein, stutzte ihm die Flügel und band ihn an. Zudem wurde er mit roter Farbe besprüht. Nur da hört mein Verständnis auf.

Auf der anderen Seite sind die Erwachsenen, welche verletzte Vögel pflegen und aufpäppeln bis sie wieder fliegen können. Meistens bleiben diese Tiere in der Nähe ihrer Retter und zeigen überhaupt keine Scheu wenn man ihnen näher kommt.

Etwas tolles konnte ich dank meiner Maledivenfamilie in der Schule miterleben. Jedes Jahr werden die besten Schüler belohnt. Viele erhalten dann Geschenke, die sie mehr oder weniger gebrauchen können. Für die ganz guten Schülern hat es schon mal ein Couvert mit ein paar Rufiyaa (maledivisches Geld) dabei. Das Ganze ist wie bei uns ein Examen einfach nur noch viel festlicher.

Nach dem Fest wurden die Möbel und das Gepäck für den Umzug der Familie abgeholt. Jeder hilft jedem. Natürlich hatte es auch einige die nur zuschauen wollten. Alles wurde aufs Dhoni verladen und noch am selben Abend starteten die Männer zur neuen Insel um die Häuser bereits einzurichten. Wir putzten das Haus und die Umgebung. Ich bin vermutlich die einzige Touristin auf der Welt, die jemals auf den Malediven Fenster geputzt hat.

An diesem Abend machte ich die Fotos mit der Glasmurmel. Wenn man in die Kugel schaut, steht die Welt auf dem Kopf. Genau so kam es mir in diesen 10 Tagen auf Naalafushi auch vor.

Mit aufgewühlten Gefühlen trat ich die Heimreise an. Vier Stunden mit dem Speedboot lagen vor mir. Na ja, wenn es nicht anders geht, würde ich das unbeschadet überleben. Weit gefehlt! Die beste Einstellung nützt nichts, wenn das Boot mitten in einer gewaltigen Strömung und stürmischem Regen ohne Benzin nicht mehr weiterfahren kann. Eine Stunde von Male entfernt, es wurde langsam dunkel, schaukelten wir auf hohen Wellen und warteten auf Hilfe. Da viele Malediver nicht schwimmen können und es den meisten Leuten, vor allem den Kindern auf dem Boot, speiübel war, war die Situation alles andere als angenehm. Nach fast einer Stunde wurden wir mit viel Mühe und Aufwand aus unserer gefährlichen Situation befreit. Mit viel Verspätung trafen wir in Male ein. Auf der Ladefläche eines Pickups sitzend fuhren wir quer durch die Stadt zu einem Guesthous. Zu meiner Verwunderung stellt man auch da die Schuhe vor die Türe. (Sie sind am Morgen tatsächlich noch da!) Das Zimmer welches ich beziehen konnte war einfach, aber sauber. Ich bekam sogar einen Kaffee. Wir bestellten uns eine Pizza und wir genossen sie in aller Ruhe. Am Morgen fuhren wir mit einem Dhoni zum Flughafen. Es gefiel mir im Moment nicht besonders, dass ich wieder auf ein Schiff steigen musste, aber ich hatte seid unserer Ankunft in Male ein gigantisches Heimweh und daher konnte es mir irgendwie nicht schnell genug gehen mit dem zurück fliegen. Ich war glücklich als ich im Flugzeug sass und genoss den Start. Erst am Flughafen in Kloten wurde mir die Tragweite der letzten 10 Tage bewusst. Hätte mich da jemand gefragt ob ich bald wieder in die Malediven fliegen möchte, ich hätte es verneint!

Meinen Abfall werde ich auf jeden Fall, wie immer, nach Hause nehmen und richtig entsorgen!

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